Kontextuelles Entwerfen I

APOIO- Kulturzentrum „Unter-Stützen“

APOIO. Auf Portugiesisch bedeutet dieser Begriff so viel wie „unterstützen“, bzw. „Unterstützung“. Gleichzeitig jedoch wird der Begriff für das konstruktive Element Stütze verwendet. Mit dem Neubau eines Kulturzentrums nahe der Kleinstadt Moura soll ein Ort der Unterstützung für die Kultur und deren Erzeugnisse aus den Händen der Einheimischen entstehen. Der Atalaia Magra, ein einsamer Wachturm zwischen Olivenhainen der Alentejo-Region, gewährt dem Besucher mit seinen 12 Metern Höhe einen atemberaubenden Blick in die Landschaft. Als Landmark stellt er nun den Ausgangspunkt für die Grundsteinlegung, fordert jedoch, durch seine Abgelegenheit von der „Zivilisation“, einen sensiblen Umgang mit der Natur sowie einen verantwortungsvollen Umgang mit der Ver -und Entsorgung, um den entstehenden Fußabdruck, sprich den Eingriff in die Natur, möglichst gering zu halten.

Dem von Süden kommenden Betrachter erscheint das nördlich vom Turm in der Landschaft liegende Kulturzentrum APOIO als ein längliches, horizontal-betontes Volumen. Die Kubatur gliedert sich in 3 Teilbereiche auf, welche von einer durchlaufenden Überdachung -unter Stützen- zu einem Komplex zusammengefügt werden. Die so entstehende Horizontalwirkung des Gebäudes kontrastiert die Höhe, unterstreicht jedoch durch seine Lage im Hintergrund, den dominierenden Charakter des Turms. Die Aufgliederung eröffnet dem Betrachter die Eingangssituation und schafft gleichzeitig Sichtachsen in die nördliche Landschaft.  Um die „Einsamkeit“ des Turmes beizubehalten, wird die direkte Zuwegung zum Kulturzentrum bereits einige Meter vor dem Turm vom Bestandsweg abgezweigt und führt den Besucher durch Olivenhaine hin zum Gebäude. Die Einbindung des Turms erfolgt schließlich durch einzelne Stufen im Gelände, welche den Besucher des Kulturzentrums an den Turm heranführen und im Sockelbereich um den Turm herum ein Plateau bilden. Die drei Teilbereiche beherbergen den Übernachtungsbereich, die Ausstellung in Verbindung mit einem Cafe und einem Shop sowie den Veranstaltungsraum. Bei der räumlichen Anordnung wird dabei besonderer Wert auf eine fließende Verknüpfung der Bereiche gelegt, welche durch individuelle Zu -und Abschaltung einzelner Bereiche eine partielle Nutzung des Gebäudeensembles ermöglichen. Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der Ausstellung, welche durch eine starke diagonale Gliederung im Gebäude, den Blick des Besuchers auf den Turm lenkt und so einen direkten Bezug herstellt.

Bei der Auswahl der Materialien wird genauso auf Nachhaltigkeit geachtet wie bei der Grundversorgung -und Entsorgung. Der abgetragene Baugrund bildet als Stampferde den Sockel bzw. die Außenhülle im unteren Geschoss, die Konstruktion aus Stahlbeton wird auf ein Minimum reduziert und bildet die Grundlage für ein recyclebares Stahlskelett, welches die Dachkonstruktion bildet. Ein Klimakonzept, welches auf einem nachhaltigen Autarkiegedanken beruht, erfüllt einerseits baulich und andererseits technisch durch Photovoltaikelemente alle Bedürfnisse der Benutzer und gewährleistet so den nachhaltigen Betrieb eines kulturfördernden Gebäudes in einer geschichtsträchtigen Umgebung.

Konstantin Tabara

Open Culture

Im „Open Culture“ vereinen sich Kunst, Kultur und Kommunikation in einer harmonischen Sinfonie der Offenheit.

Die Besucher und Gäste werden eingeladen in einen offenen Dialog mit den ansässigen Händlern und Handwerkern zu treten, welches sich im völlig offenen Raumkonzept widerspeigelt. Leicht hätte man vermutet, dass sich unter einem ehemaligen Wehrturm eher eine Wehranlage befindet, jedoch wird in diesem Projekt viel mehr der interkulturelle Austausch als eine vermeintliche Abwehr zelebriert. Mit seiner Autarkie und dem damit sehr umweld-freundlichen Konzept setzt das „Open Culture“ auch im punkto Clean Energy neue Maßstäbe. Mehr Freiheit, mehr Raum zum Denken, Handeln und Schaffen, das ist die gelebte Welcoming culture im Open Culture.

Lily Cao & Domenic Brahollari

Kulturzentrum Atalaia Magra

NACHHALTIGKEIT bedeutet, ein Bewusstsein für die natürlichen Ressourcen unserer Erde und für unsere Umwelt zu entwickeln. Möchte man das ökologische Gleichgewicht bewahren, ist es unabdingbar in geschlossenen Kreisläufen zu denken.

Das KULTURZENTRUM ATALAIA MAGRA ist ein Ort, der dieses Bewusstsein schärfen und schulen möchte. Für die Architektur selbst werden entsprechend den Anforderungen unterschiedliche Baustoffe eingesetzt. Diese Materialien und ihre Anwendungsgebiete sowie ihre Vor- und Nachteile werden in der Dauerausstellung des Kulturzentrums behandelt.

Vom Bau-Material schlägt die Ausstellung den Bogen zum Handwerk: in wechselnden Ausstellungen erhalten ortsansässige Handwerker & Designer die Möglichkeit ihre Produkte zu präsentieren und zu verkaufen. Gleichzeitig bietet die Architektur der Ausstellungshalle einen überwältigenden Blick zum Turm.

Der Garten, Herzstück des Kulturzentrums, holt den Besucher auf den Boden der Tatsachen zurück: hier kann nachvollzogen werden, dass gesunde Erde zur Produktion von Obst und Gemüse unverzichtbar ist. Neben den üppig bewirtschafteten Naturstein-Beeten kann auch die Kompostierung beobachtet werden, wo aus den anfallenden Bio-Abfällen und dem Inhalt der Komposttoiletten fruchtbarer Humus entsteht. Die biologisch produzierten Lebensmittel können von den Besucher im Café des Kulturzentrums probiert werden.

Die Bewässerung erfolgt durch ein großes Wasserspeicherbecken, in dem Regenwasser gesammelt wird, aber auch das anfallende Grauwasser durch den Einsatz von Schilfpflanzen und speziellen Sand- und Kiesschichten zur Wiederverwendung gereinigt wird. 

Die über der Wasserfläche angeordneten Solarlamellen dienen nicht nur der Verschattung, sondern liefern gleichzeitig Energie für das Kulturzentrum. 

Das KULTURZENTRUM ATALAIA MAGRA ist ein Ort für jeden, der sich im Einklang mit der Natur erholen möchte, aber auch für jeden, der sein Bewusstsein schärfen möchte. So finden regelmäßig Workshops statt, in denen die einzelnen Themenschwerpunkte behandelt werden. Hier wird den Besuchern vor allem eines mit auf den Weg gegeben: „Dein Handeln zählt!“

Malika Eilers