Architektur und Sozialwissenschaften

Mit der Neustrukturierung der Fakultät Architektur und Sozialwissenschaften zum 1.1.2014 wurden die beiden Lehr- und Forschungsprofile aus dem Bereich des Planens und Bauens sowie der Sozialen Arbeit an der HTWK Leipzig gestärkt. Zugleich entwickeln sich an der interdisziplinären Fakultät Synergien, die am Hochschulstandort Leipzig besonders sinnfällig sind, um die Themen der Stadt aufzugreifen und in Lehre und Forschung neue Ansätze aufzuzeigen, die wichtige Beiträge zu den Profilinien der HTWK Leipzig liefern. Der gesellschaftliche Wandel, Architektur, Stadtgesellschaft und Soziale Arbeit sind Themenkomplexe, deren Wechselwirkungen in der ingenieur- und sozialwissenschaftlichen Fakultät reflektiert und projektbezogen bearbeitet werden.

Die Bachelor- und Master-Studiengänge Architektur bieten perspektivisch das einzige Angebot zum Architekturstudium an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften in Sachsen, nachdem der Hochschulentwicklungsplan des Ministeriums mit der Eingliederung der WHZ-Architekturfakultät an die HTWK Leipzig zum 1.9.2015 umgesetzt wurde. Die Bachelor- und Master-Studiengänge Soziale Arbeit haben mit dem Angebot zum sozialwissenschaftlichen Studium im urbanen Kontext ein Alleinstellungsmerkmal der staatlichen Hochschulen Sachsens. Beide Bereiche pflegen in Lehre und Forschung enge Kontakte zur Stadt Leipzig und bauen sie regelmäßig mit neuen Projekten aus; darüber hinaus besteht intensiver Austausch mit nationalen und internationalen Kooperationspartnern.

Geschichte

Zum 1. Januar 2014 wurde an der HTWK Leipzig die Fakultät Architektur und Sozialwissenschaften gebildet. diese Umstrukturierung zur Bündelung von Forschung und Lehre in den Studiengängen Architektur und Soziale Arbeit nimmt direkten Bezug auf den Hochschulentwicklungsplan der Hochschule, in dem bereits »Soziale Stadt« und die »integrierte Stadtentwicklung« als Entwicklungs- und Zukunftsthemen festgehalten wurden. Dies trägt innerhalb der beiden Profillinien »Life Science & Engineering« und »Bau & Energie«zur weiteren Profilierung der Hochschule bei.

Mit der nicht alltäglichen Verknüpfung von Architektur und Sozialwissenschaft wird insbesondere deren gesellschaftspolitische Dimension aufgegriffen. Die Zusammenfassung beider Bereiche in einer gemeinsamen Fakultät soll Impulse für die zukünftige Entwicklung der Hochschule ebenso wie der Region setzen, beispielsweise bei Themen wie »Stadt und demografischer Wandel«, »Kinder- und Familienfreundliche  Lebensräume«,  »Migrationsquartiere« und »Metropolisierung und Stadtflucht«.

Darüber hinaus bereitet die strukturelle Änderung bereits langfristig die Konzentration der sächsischen Architekturlehre auf die Standorte Dresden und Leipzig vor. Der Sächsische Hochschulentwicklungsplan 2020 sieht zur Auflösung des Standortes Reichenbach an der Westsächsischen Hochschule Zwickau die Eingliederung der Architekturfakultät an der HTWK Leipzig vor.

Im Gespräch: Prof. Dr.-ing. Annette Menting und Prof. Dr. jur. rainer Vor, Dekanin und Prodekan der Fakultät Architektur und Sozialwissenschaften.

Zum 1. April 2014 sind die Architektur-Studiengänge an die Fakultät Architektur und Sozialwissenschaften überführt worden. Was erwartet die »neuen« und bisherigen Studierenden an dieser Fakultät?

Menting: Zuallererst dürfen die Studierenden Kontinuität in der Ausrichtung und Qualität ihres Studiums sowohl hinsichtlich der qualifizierten Betreuung als auch mit Blick auf die fachliche Breite erwarten.  Zusätzlich kommen bereits erste Synergien zum Tragen. So wird es für die Studiengänge Angebote aus dem jeweils anderen Lehrbereich geben, indem Wahlmodule für die interdisziplinäre Lehre geöffnet werden. Zudem wird das bereits bestehende interdisziplinäre Modul »Planung: Moderieren, Kommunizieren« weitergeführt. die öffentliche Positionen-Vortragsreihe widmet sich im Sommersemester der übergreifenden Frage: »Wie kommt die Gesellschaft ins Entwerfen?« und behandelt Aspekte vom Sozialen Wohnungsbau über Partizipationsprojekte bis zum Urban design.

Vor: Sozialwissenschaft und Architektur haben zahlreiche Schnittmengen und Berührungspunkte; gemeinsame Themen liegen förmlich auf der Hand. Ich denke da beispielsweise an »Generationengerechtes Wohnen« oder »Bürgerbeteiligung und Stadtplanung«. Dem entsprechend möchten wir neue interdisziplinäre Module konzipieren.

Menting: Das ist auch ganz im Sinne der Anregungen aus der jüngsten Architektur Studiengangsakkreditierung: Chancen nutzen, Synergien entwickeln. Derzeit befinden sich beide Studienbereiche in der Reakkreditierungsphase für die kommenden sieben Jahre.

Gibt es konkrete Projekte, die in den kommenden Monaten anstehen?

Vor: Der 25. Jahrestag der friedlichen revolution am 9. Oktober ist ja ein großes Thema in Leipzig.  Im Januar hatten wir die  Idee, uns mit einem Herbstpavillon an den Feierlichkeiten zu beteiligen.  Wir werden gemeinsam einen öffentlichen Kommunikationsort an zentraler Stelle in der Stadt schaffen, an dem die Menschen stehen bleiben und sich mit den Ereignissen des Jahres 1989 beschäftigen. Die Stiftung Friedliche Revolution zeigt im Pavillon Dokumentarfilme zum Thema, es soll ein Programm für Schulklassen geben und Veranstaltungen mit Aktiven aus dieser Zeit – den Besuchern wird also deutlich vor Augen geführt werden, was 1989 passierte.

Menting: Das ist ein faszinierendes Thema, das die Studierenden schon in diesem Sommersemester bearbeiten können, und es ist zugleich ein Projekt, das den neuen Fakultätsgedanken wirksam nach außen trägt.

Wie ist die Zusammenarbeit mit der Stadt und wie soll sich diese entwickeln?

Menting:  Beide Bereiche haben gute Kontakte zu den jeweiligen städtischen Institutionen und bearbeiten aktuelle Projekte wie im Leipziger Osten, auf den Brachen in den nördlichen Quartieren oder auf dem Jahrtausendfeld im Westteil der Stadt. Diese sollen fortgeführt beziehungsweise intensiviert werden. Darüber hinaus bieten Projekte wie der Herbstpavillon eine gute Gelegenheit, um zu zeigen, dass die Mitglieder unserer Fakultät erste Kooperationsprojekte realisieren.

Vor: Es ist doch wunderbar, sich ins städtische Leben einzubringen. Wenn unsere Hochschule ihren Teil dazu beiträgt, ist das für mich das Salz in der Suppe.

Gibt es bereits Überlegungen zu gemeinsamen Forschungsprojekten?

Menting: Der Bereich Soziales und Gesundheit ist in der Forschung sehr gut aufgestellt, das gilt gleichermaßen für die Forschungsbereiche Energiedesign und 3D Formholz. Diese Stärken sollen erhalten und ausgebaut werden. Darüber hinaus werden wir strategisch weiterdenken und zukünftig interdisziplinäre Forschungsvorhaben entwickeln. Hier wird der Bereich Urbanismus eine wesentliche Bedeutung einnehmen, denn über den Stadtraum kommen Gesellschaft und Architektur zusammen. Zukünftig erfahren wir hier Verstärkung durch unseren jüngst berufenen Honorarprofessor Dipl.-Ing. Martin zur Nedden, der seit Anfang 2014 als Wissenschaftlicher Direktor und Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Urbanistik tätig ist, einem der größten Stadtforschungsinstitute im deutschsprachigen Raum.

In welche  Richtung soll sich die Fakultät Architektur und Sozialwissenschaften in den kommenden Jahren entwickeln?

Menting: Die Fakultät soll nicht nur in und für Leipzig sowie Sachsen ein wichtiger Anlaufpunkt werden, sondern auch im nationalen Kontext, um Architektur, Sozialwissenschaften und übergreifende Disziplinen wie Urbanistik zu studieren und entsprechende Forschungen zu profilieren. Wir sehen das »K« für Kultur im Namen unserer Hochschule ganz wesentlich auch in unserer Fakultät verankert, was sich beispielsweise in Themen wie – Baukultur – und – Kultur der Stadtgesellschaft – widerspiegelt.