Veranstaltung mit dem Präsidenten der Architektenkammer Sachsen
Der HTWK Studienpreis Architektur hat inzwischen eine 30-jährige Tradition an der HTWK Leipzig, initiiert wurde er im Jahr 1996. Seine Weiterführung ist seit letztem Jahr durch die Preisstiftung der Architektenkammer Sachsen gesichert.
Deren Präsidenten Andreas Wohlfarth ist die frühe Verbindung zur zukünftigen Generation von Architektinnen und Architekten ein besonderes Anliegen, betonte er in seinem Grußwort zur feierlichen Preisverleihung am 14. Januar 2026. Zur Relevanz von Architektur als umfassend gestalterische Disziplin resümiert er: „Die Welt ein kleines bisschen schöner gemacht zu haben, ist unzweifelhaft ein Verdienst – aber wir bewegen uns damit nicht im idealistischen, abgehobenen, ätherischen Raum. Ganz im Gegenteil, wir sind mit unserer Arbeit Teil der Gesellschaft, und zwar an entscheidender Stelle: die von uns gestalteten und verantworteten Räume bilden den Rahmen für fast alle Bereiche unseres Lebens, vom Innenraum bis zum Stadtraum. ... Daher ist Architektur und gute Gestaltung eben kein Selbstzweck, sondern muss immer auch dem Gemeinwohl dienen und unsere Werte wie Freiheit, Demokratie oder Diversität befördern“.
Die Fakultät Architektur und Sozialwissenschaften dankt der Architektenkammer Sachsen, die die Verleihung eines dotierten Studienpreises auch weiterhin mit einem Preisgeld von insgesamt 2.000 Euro ermöglicht.
Am Vortag der Preisverleihung wurden einer fünfköpfigen Jury insgesamt 22 Projekte in Kurzpräsentationen durch die Studierenden vorgestellt. Als externe Jurymitglieder waren Aline Hielscher (Aline Hielscher Architektur), Ines Pöschmann-Panzer (pöschmann.panzer architekten) und Johann Simons (Pasztori & Simons Architekten) an die Hochschule gekommen. Weitere Mitglieder von der HTWK Leipzig waren der Architekturstudierende George Hoffmann und der Juryvorsitzende Prof. Max Wasserkampf. „Die Jury stellte übereinstimmend fest, dass das architektonische Niveau beachtlich und die Vielfalt der Aufgabenstellungen beeindruckend ist“, bereits die Nominierungen durch die betreuenden Professorinnen und Professoren wurden somit als Würdigungen der Arbeiten verstanden.
Im vollbesetzten Hörsaal wurden am Mittwochabend die Auszeichnungen bekannt gegeben und die Preise und Anerkennungen feierlich verliehen. Die drei prämierten Arbeiten sind ein naturnaher Bildungsort im Schulbiologischen Garten Leipzigs, ein skulpturales Forschungszentrum in einer maritimen Landschaft und eine dezidiert-provokante Auseinandersetzung mit der Bodenfrage. Darüber hinaus wurden drei Anerkennungen verliehen für ein Badehaus, eine Ostmoderne-Chemnitz-Erkundung und eine Quartierentwicklung in Halle. Den wertschätzenden Laudationes von Prof. Max Wasserkampf folgten die Überreichungen der Urkunden gemeinsam mit Andreas Wohlfarth. Die Vernissage zum HTWK-Studienpreis Architektur 2026 fand anschließend im Creative Club der Architekturetage statt, bei der alle eingereichten Arbeiten präsentiert wurden. Der Austausch über das anspruchsvoll-vielfältige Spektrum der Studienarbeiten konnte bei einem Empfang weitergeführt werden.
Folgende sechs Studienarbeiten erhielten Preise bzw. Anerkennungen im Rahmen des HTWK Studienpreises Architektur 2026:
1. Preis: „Zeit zum Wachsen, Die Zukunft des Schulbiologischen Gartens Leipzig“ von Anne Salberg und Emil Rohde; betreut von Prof. Frank Schüler
Jurybegründung (Auszug): „Die Arbeit von Anne und Emil überzeugt durch eine außergewöhnlich sensible Auseinandersetzung mit dem Bestand des Schulbiologischen Gartens Leipzig und versteht Architektur als Prozess des Weiterbauens. Anstatt einen radikalen Neubeginn zu formulieren, setzt die Arbeit auf eine behutsame Ergänzung des Bestehenden, die Reparatur und Pflege vorhandener Strukturen in den Mittelpunkt stellt und den historischen Bestand konsequent fortschreibt. ... In ihrer Klarheit, Zurückhaltung und architektonischen Haltung leistet die Arbeit von Anne und Emil einen überzeugenden Beitrag zur Frage, wie bestehende Strukturen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zukunftsfähig weitergedacht werden können – und setzt damit ein starkes Zeichen für eine verantwortungsvolle Architektur des Reparierens.“
1. Preis: „Moskenestraumen – Das Forschungszentrum im Mahlstrom“ von Lasse Hecker; betreut von Prof. Tobias Wenzel
Jurybegründung (Auszug): „Lasses Arbeit überzeugt durch ihre außergewöhnliche Eigenständigkeit und kraftvolle, skulpturale Präsenz. In einer der extremsten maritimen Landschaften Europas entwickelt das Projekt ein Forschungszentrum, das Ort, Funktion und Architektur zu einer hochgradig integrierten Einheit verschmilzt. Die Architektur reagiert nicht nur auf die besonderen Strömungs- und Klimabedingungen des Standorts, sondern macht diese zum eigentlichen formbildenden Aspekt. ... Insgesamt würdigt die Jury den Entwurf als außergewöhnlich intelligentes, nachhaltig gedachtes und bis in die utopische Dimension konsequent weiterentwickeltes Projekt, das architektonische Gestaltung, Forschung und Zukunftsdenken auf beeindruckende Weise vereint.“
3. Preis: „A LIDL more“ von Alina Lamshöft, betreut von Prof. Frank Schüler
Jurybegründung (Auszug): „Alinas Arbeit überzeugt durch eine außergewöhnlich präzise und zugleich provokante Auseinandersetzung mit der Bodenfrage und dem Umgang mit versiegelten Flächen im urbanen Kontext. Am Beispiel eines international verbreiteten Discounters wird ein alltäglicher, meist übersehener Bautypus einer schonungslosen Analyse unterzogen und als strategische Ressource für die Stadt der Zukunft offengelegt. Die Arbeit operiert dabei mit einer bemerkenswerten analytischen Schärfe, die in ihrer Klarheit und Zuspitzung an die zynische Präzision eines Rem Koolhaas erinnert. ... Insgesamt würdigt die Jury die Arbeit als hochgradig intelligente, analytisch tiefgehende und bewusst zugespitzte Untersuchung, die die Bodenfrage in einen größeren ökonomischen und städtebaulichen Zusammenhang stellt und mit ihrer radikalen Klarheit einen wichtigen Diskursbeitrag leistet – auch dort, wo sie bewusst zur kritischen Reibung einlädt.“
Anerkennung: „Badehaus“ von Emma Bolowski, Jannis Hildebrandt, Alica Jantz, Rosa Krausmann, Matti von Taube; betreut von Prof. Frank Schüler
Jurybegründung (Auszug): „Die Arbeit von Emma, Jannis, Alica, Rosa und Matti überzeugt durch eine besonders eindrucksvolle und feinfühlige Präsentation, die Atmosphäre, Materialität und räumliche Sequenzen mit großer Selbstverständlichkeit vermittelt. Bereits auf den ersten Blick wird deutlich, dass hier nicht allein. Ein Objekt entworfen, sondern ein sinnlich erfahrbares ritual entwickelt wurde. Die zeichnerische und grafische Darstellung ist von hoher Qualität und verleiht der Arbeit eine bemerkenswerte Klarheit und Tiefe. ... die Jury [würdigt] die Arbeit als außerordentlich gelungenen Beitrag, der durch seine atmosphärische Kraft, seine konstruktive Klarheit und seine hohe gestalterische Qualität besticht. Gerade im frühen Stadium des Studiums zeigt der Entwurf ein bemerkenswertes architektonisches Potenzial und eine gestalterische Reife, die weit über das übliche Niveau hinausgeht.“
Anerkennung: „Ostmoderne Chemnitz, Kulturpalast Rabenstein“ von Jule Ottenberg; betreut von Prof. Dr. Annette Menting
Jurybegründung (Auszug): „Die Arbeit von Jule überzeugt als fein ausbalancierter Foto-Essay, der Architektur nicht entwirft, sondern über eine spezifische Bildsprache kritisch befragt. Ausgangspunkt ist der Kulturpalast Chemnitz-Rabenstein – einst ein kollektives Kulturdenkmal der DDR, heute transformiert in ein exklusives Wohnobjekt. Die fotografische Serie zeichnet diesen Wandel mit großer Sensibilität und analytischer Schärfe nach. ... Insgesamt würdigt die Jury die Arbeit als überzeugenden, eigenständigen Beitrag, der mit großer visueller Präzision und konzeptioneller Klarheit den Wandel eines kollektiven Kulturdenkmals dokumentiert und reflektiert. Der Foto-Essay leistet damit einen wichtigen Diskursbeitrag zur Frage, wem Architektur gehört – und wem sie zugänglich bleibt.“
Anerkennung: „Neuer Güterbahnhof Halle – ein produktives Quartier“ von Nicole Pelger und Paul Erber; betreut von Prof. Matthias Grunwald und Michael Rudolph
Jurybegründung (Auszug): „Die Arbeit von Nicole und Paul überzeugt durch einen konzeptionell klaren und besonders hervorzuhebenden Ansatz, den Städtebau vom Freiraum aus zu entwickeln. In einem hochbelasteten Umfeld wie dem Güterbahnhof Halle wird der Grün- und Freiraum nicht als nachgelagerte Restfläche verstanden, sondern als strukturierendes Rückgrat des Quartiers. Dieses Verständnis bildet eine solide Grundlage für die Entwicklung eines gemischt genutzten Stadtbausteins mit hoher Aufenthaltsqualität. ... Insgesamt würdigt die Jury die Arbeit als gut strukturiert, verständlich präsentierte und konzeptionell überzeugende städtebauliche Studie, die den Freiraum als wesentlichen Treiber der Quartiersentwicklung ernst nimmt und damit einen wichtigen Beitrag zur Diskussion um qualitätsvolle innerstädtische Nachverdichtung leistet.“
Impressionen













