Blick ins Homeoffice

Die Lehrenden waren und sind gefordert. Unter Hochdruck haben sie in wenigen Wochen ihre Lehrangebote in den digitalen Raum verlagert. Formate für unterschiedliche Gruppengrößen und Fachinhalte haben auch dort spezifische Anforderungen. Hardware und Software standen auf dem Prüfstand und werden bei Bedarf weiter adaptiert. Auch die Regelungen der Prüfungsordnungen mussten für diese spezielle Situation geprüft und in den kommenden Wochen durch Übergangslösungen ergänzt und in den Gremien bestätigt werden.

Seit dem 6. April werden die Lehrangebote im virtuellen Raum umgesetzt und OPAL hat als Lehrplattform eine zentrale Bedeutung bekommen. Einige Lehrende werden hier berichten, wie sie dies und die Arbeit im Homeoffice erleben

Martin Grünert, Christoph Weigelt, Michael Theuer - Modellbauwerkstatt

Üblicherweise arbeitet das Team der Modellbauwerkstatt gemeinsam und mit Studierenden an Werkbänken und Materialien. Es gibt viel zu sehen, zu hören, anzupacken und ab und an auch zu riechen.
Martin Grünert, Michael Theuer und Christoph Weigelt treffen sich stattdessen vorwiegend auf ihren Bildschirmen, um gemeinsam das Alternativprogramm zu organisieren.

Die permanente Austauschmöglichkeit in der Werkstatt wurde inzwischen durch eine gute Aufgabenteilung ersetzt.
Für die Studierenden werden aktuell Tutorials erstellt, die zeigen, wie der Modellbau zuhause mit einfachen Materialen und Werkzeugen umgesetzt werden kann. Die ersten Tutorialvideo "Architekturmodellbau" wurden fertiggestellt. Die Angebote auf der Homepage werden überarbeitet und Kenntnisse in grafisch technischer Software ausgebaut, um sie später in der Lehre einsetzen zu können.

Das Homeoffice zwingt das Team teilweise zum Improvisieren, was durchaus auch positiv erlebt wird und Kreativität fordert. Es gibt jedoch insbesondere in der Modellbauwerkstatt Qualitäten vor Ort, die sich nicht langfristig in der Heimarbeit ersetzen lassen. Die Wiederaufnahme des Werkstattbetriebes wird schrittweise umgesetzt - zunächst jedoch nur für Studierende, deren Abschluss bevorsteht. Zu den Regeln im Umgang mit Materialien, Werkzeugen und Maschinen kommen Hygieneregeln hinzu.

Timo Kretschmer - Lehrtätigkeit im Studiengang Architektur

Der Webmaster der Fakultät seht seit Anfang März im intensiven Austausch mit dem IT Servicezentrum, Dekanin Annette Menting und Frank Schüler (Studiendekan der Architektur). Die Entwicklung und Umsetzung der Sonderseiten für die Website der Fakultät, um die Bedarfe in Zeiten der Corona-Pandemie sachlich und sortiert bedienen zu können, waren zeitintensive Aufgaben. Die Vielzahl an Softwarelösungen, sowie unterschiedlichste persönliche und technische Voraussetzungen, mussten konsolidiert und harmonisiert werden, um Distanzlehre in der gewählten Form realisieren zu können. Die Bereitschaft und Fähigkeit vieler im Kollegium, sich der Herausforderung der Distanzlehre zu stellen, hat ihn dabei positiv überrascht. Er ist überzeugt, dass Hemmnisse vor Werkzeugen der Distanzlehre sich spürbar verringern werden und die Krise ein Impuls für die Digitalisierung sein wird.

Die Rolle des Interims-Grundschullehrers fordert die Familie immer wieder heraus. Inzwischen ist das aber gut erprobt. Neben den heimischen Unterrichtseinheiten werden auch gemeinsame Genussmomente geplant. Sobald die Anzahl der Nudelgerichte von fünfmal die Woche auf ein kulinarisch erträgliches Maß reduziert wurde, beginnt die Vorfreude aufs Kochen. Mit Kamera oder Skizze holt er zudem in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen immer ein Stück Draußen mit herein.

Nicht jede Corona-Sondersendung im Radio und TV zu konsumieren, hilft bei der psychischen Hygiene.

"Resilienz wird plötzlich für viele sichtbar oder spürbar. Damit wird sich jeder beschäftigen müssen und vielleicht erlangen wir dadurch einen gesellschaftlichen Mehrwert. Aber das sind Themen der Soziologie und Psychologie. Davon verstehen andere mehr.“

Anthusa Löffler - Professur für Baukonstruktion und Entwerfen

Die neuen Möglichkeiten der Distanzlehre waren für Anthusa Löffler Neuland, doch erhielt sie recht früh Unterstützung, auch aus privaten Kreisen zu verschiedenen E- Learning Angebote und konnte deren unterschiedliche Leistungen abwägen. Bezogen auf den Datenschutz gibt es gewaltige Unterschiede und auch die Einsatzmöglichkeit divergiert sehr stark. Manche Programme eignen sich besser für kleinere kommunikative Konsultationen, andere sind auf größere Vorlesungen und auf die optimale Wissensvermittlung ausgerichtet.

Vor etwa einem halben Jahr war Frau Löffler bei einer Unterhaltung mit einem Hochschulreferenten noch sehr skeptisch, bezogen auf die Chance eines Fernstudiums im Bachelor Studiengang Architektur, und bezweifelte, dass damit eine gute Vermittlungsqualität umsetzbar sei. Inzwischen hat sie einen guten Weg für sich gefunden. Das war anfangs sehr zeitaufwendig, aber der immer versiertere Einsatz von guten Video Meeting Programmen, die sie zusammen mit Ihren Studierenden erprobte, kann bei der Vermittlung auch intensivere Lehr- und Lernerfolge zeitigen.

Es macht geradezu Spaß sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen, neue, auch technische Möglichkeiten der Programme auszuprobieren, um den Austausch von Wissen zu optimieren und damit auch die derzeitige Lage als Chance für neue Lehrformen zu begreifen. 

„Wir sollten uns zukünftig stärker mit der Kombinationen aus digitaler Lehre und Präsenzlehre auseinandersetzen. Aktuell sind wir dazu gezwungen. Ich bin für vieles offen, aber ich will gesund bleiben!“

Juri Kuther - Lehrkraft für besondere Aufgaben in der Architekturlehre

Juri Kuther erlebt zwei sehr unterschiedliche Perspektiven auf die derzeitige Coronakrise. Seine Frau ist als Hebamme im Schichtdienst des Klinikalltags mit all den Verunsicherungen rund um das neuartige Virus intensiv gefordert. Im eigenen beruflichen Umfeld ist er positiv überrascht, wie schnell sich alle in die neue Situation eingefunden haben. Vieles das vorher kompliziert wirkte wird nun zum Alltag. Dank neuer Routinen werden später vielleicht sogar Kooperationen einfacher. 
Die Entwurfssprechstunden, die sonst in der Architekturetage stattfanden, vermisst er jedoch. Die Studierenden lernen Darstellungsmethoden und -techniken, die ein Projekt möglichst ohne weitere Erläuterungen verständlich machen. Aktuell ist diese Kompetenz besonders gefordert. Zur Anregung und Unterstützung bietet er Pinterest Wände ? Do you know what I mean !, einen Youtube-Chanel und weiterhin Feedback zu den Entwurfsarbeiten via Mail an. 

Der Familienalltag braucht durch die beiden unterschiedlichen Berufswelten ein eigenes Projektmanagement: Welche Dinge werden noch für das Abendessen benötigt. Wird der Einkauf also noch vor oder erst nach der Dienstbesprechung erledigt? Die Gemeinschaftsräume der Einhausgenossenschaft wurden zum Homeoffice.

Die vier Etagen Abstand zur Wohnung genügen, um die Arbeitszeit ein wenig vom Privatleben zu trennen und beidem ausreichend Raum zu geben. Um mit seiner Tochter bei ihren Radfahrübungen mithalten zu können wurde das Skateboard ausgepackt und eine eingerostete Leidenschaft unerwartet wiederentdeckt.
Ein neuer Alltag ist nach dem ersten Monat also eingekehrt. Dennoch will Juri Kuther die Situation als Fallstudie sehen:

„Die Einschränkungen schärfen den Sinn für sonstige Selbstverständlichkeiten. Es wird deutlich wie wackelig unser System an vielen Stellen ist. Wir müssen manches anders denken.“

Dies gelte für die Qualitäten vor dem eigenen Bordstein ebenso wie weltweite Zusammenhänge.