Der Neue Israelitische Friedhof – ein lebendiger Ort Leipziger Stadtgeschichte
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Die Grabanlage Neuer Israelitischer Friedhof soll als besonderen Erinnerungsort weiter erforscht und architektonisch gestaltet werden. Der Vortrag stellt dazu zwei Bausteine vor.
Vorab wird die wechselvolle Geschichte des fast 100-jährigen Neuen Israelitischen Friedhofes vorgestellt. Dazu zählt u.a. die von der Leipziger Stadtverwaltung 1937 durchgesetzte Auflassung des 1864 geschlossenen ersten jüdischen Friedhofs Johannistal in Leipzig. Die Israelitische Religionsgemeinde zu Leipzig führte daraufhin eine Notumbettung der aus etwa 350 Gräbern exhumierten Gebeine durch. Diese Umbettung befindet sich jetzt im mittleren Teil des Neuen Israelitischen Friedhofs als quadratische „Grabanlage Johannistal-Friedhof“, allerdings ohne historische Dokumentation.
Ronald Scherzer Heidenberger stellt dann die aktuellen Arbeiten zur historischen und zukünftigen Gestaltung des Friedhofes vor. Basierend auf der historischen Gestaltung mit den beiden prägenden Hauptachsen und Alleen wird aufgezeigt, wie diese Raumqualität auf den Erweiterungsteil im Osten des Friedhofs übertragen werden soll und so ein architektonisches Gestaltungskonzept aus historischer Anlage und einer Weiterentwicklung der gartenbaulichen Gestaltung für die neu anzulegenden Bestattungsflächen auf dem Neuen Israelitischen Friedhof entsteht.
Ralf Thiele stellt dann die geotechnischen Erkundungen auf dem Friedhof vor. Bei diesen Untersuchungen ist es erstmalig ohne Eingriffe in den Boden gelungen, einen Blick in den Untergrund im Bereich der Umbettungen zu werfen. Die dabei sichtbaren oberflächennahen Strukturänderungen werden vorgestellt und daraus unter Einbeziehung eines Historikers abgeleitete Interpretationen zu den vermuteten Umbettungen erläutert. Mit den Ergebnissen konnten historische Annahmen über die Bestattung der exhumierten Gebeine bestätigt werden und darüber hinaus durch neue Erkenntnisse ergänzt werden. Basierend auf diesen Ergebnissen werden abschließend erste Überlegungen zur Gestaltung eines Erinnerungsortes für die Umbettungen in der „Grabanlage Johannistal-Friedhof“ vorgestellt.
Prof. Dr.-Ing. Ralf Thiele ist seit 2007 Professor für Bodenmechanik, Grundbau, Fels- und Tunnelbau an der Fakultät Bauwesen der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig. Im Jahr 2010 gründete er die Forschungsgruppe „G² - Gruppe Geotechnik“ zur Bearbeitung von interdisziplinären Forschungsthemen, Dienstleistungen und Auftragsforschungen im Bereich Geotechnik, die er auch leitet. Seit 2024 ist er Direktor des Instituts für Geotechnik an der HTWK Leipzig.