Bremmer-Preis 2018

Protokoll der Preisgerichtssitzung

Das Preisgericht tritt am 10.01.2018 um 14:10 h zusammen.

Es besteht aus:

  • Prof. Gerhard Bremmer (Stifter)
  • Dipl.-Des. Architektin Ute Bremmer
  • M.A.Henry Fenzlein (Octagon Architekurkollektiv, Leipzig)
  • Prof. Christian Knoche (Prof. HTWK)
  • Prof. Harald Stricker (Prof. HTWK)
  • M.A. Claudia Lenz (Doktorandin HTWK)

Als Vorsitzender wird Prof. Christian Knoche gewählt.

Insgesamt wurden 20 Arbeiten eingereicht. Alle eingereichten Arbeiten wurden zur Wertung zugelassen.

Präsentation durch die Verfasser

Im Rundgang wurden die Arbeiten von den Studierenden im Rahmen von Kurzvorträgen (5 – 10 Minuten) vorgestellt, die Jury hatte dabei die Gelegenheit, nicht wertende Fragen zum Inhalt zu stellen.

Bewertungsrunde 1

Folgende Arbeiten werden nach einer ersten Bewertung einstimmig ausgeschieden und somit nicht weiter berücksichtigt: 03, 05, 06, 07, 10, 11, 12, 14, 16 und 17.

Bewertungsrunde 2

Folgende Arbeiten werden nach einer zweiten Bewertung mehrheitlich ausgeschieden und somit nicht weiter berücksichtigt: 08, 18 und 20.

Engere Wahl

In die engere Wahl der Preisträger werden folgende Arbeiten genommen:

01, 02, 04, 09, 13, 15 und 19.

Preisverteilung

Es werden drei Preise und vier Anerkennungen vergeben:

  • 1. Preis (550 €): Arbeit Nr. 01
  • 1. Preis (550 €): Arbeit Nr. 09
  • 2. Preis (300 €): Arbeit Nr. 15

Anerkennungen erhalten die Arbeiten 02, 04, 13 und 19.

Belobigung der Ausgezeichneten Arbeiten

1. Preis

Arbeit Nr. 01 
Titel: tetra: Versteckt in den Bergen – Minimal sharing tracking Cabin in the Alps, Going at/over the edge

Verfasser: Malika Eilers, Julian Förtsch

Betreuer: Prof. Anthusa Löffler

Die Aufgabenstellung beinhaltet die Planung einer temporären Unterkunft in den Hochalpen und wur-de als Semesterprojekt in der Baukonstruktion als Übungsarbeit im Holzbau des 1. Semesters bear-beitet. Die Arbeit zeichnet sich durch ihre bemerkenswerte Qualität aus, die gleichermaßen in Bezug auf den Entwurf, aber auch in der konstruktiven Durcharbeitung und in der Darstellung besteht. 

Die markante landschaftliche Situation im hochalpinen Umfeld ohne bauliche Nachbarschaft wurde durch den Entwurf sehr schlüssig aufgegriffen und in einen sehr angemessenen Beitrag zur gestellten Thematik übersetzt.

Es wurde eine markante, geometrisch schlüssige und eindeutige Kubatur gesetzt, die sich architek-tonisch eigenständig und insbesondere durch ihre Materialität auch zurückhaltend in die Umgebung einfügt. Die räumliche Konzeption, die Inszenierung der umgebenden Landschaft und die umgesetz-ten Überlegungen zu Konstruktion, Transport und Aufbau sind bis in die dargestellten Details durch-dacht.   

Bemerkenswert sind außerdem die in Gliederung, Materialität und Farbigkeit sehr stimmige Fassade aus Holzleisten und die Präsentation des Entwurfs in Handzeichnung und Modell, die hier bereits im ersten Semester auf höchstem Niveau umgesetzt wurde.

1. Preis

Arbeit Nr. 09 
Titel: Filmhaus Berlin – 

Verfasser: Lily Cao

Betreuer: Prof. Frank Schüler, Prof. Christian Knoche

Die Aufgabenstellung für ein Filmhaus in Berlin wurde im 4. Bachelorsemester bearbeitet und beinhal-tet für ein heterogenes großstädtebauliches Umfeld ein differenziertes Raumprogramm. Dieses be-steht schwerpunktmäßig aus den Kinosälen, beinhaltet aber auch eine Filmfakultät, eine Bibliothek, Gastronomie sowie Verwaltungs- und Archivflächen. Alle Nutzungen sollen dabei unabhängig und zu unterschiedlichen Zeiten genutzt werden können. Die Verfasserin findet dafür eine ebenso überra-schende wie überzeugende Lösung.

So prägt den Entwurf nicht der markante oder dominierende Baukörper, sondern die durch topografi-sche Überformung geometrisch gestaltete Platzfläche, die das im wesentlichen unterirdisch entwi-ckelte Volumen überdeckt. Folgerichtig wird dabei der Haupteingang in die Vorführsäle über eine schiefe Ebene in das Untergeschoss geführt. Der abgesenkte Freibereich inszeniert die Gebäudenut-zung und ist auch für den großen Auftritt bei der Berlinale gut vorstellbar. Auch die begehbare Dach-fläche des aufgeklappten Baukörpers kann als Aktions- und Aufenthaltsfläche mit einbezogen wer-den. 

Alle Funktionen sind gut organisiert und über zusätzliche Eingänge auch separat erschlossen. Be-merkenswert aber ist die Qualität der Innenräume insbesondere im Umgang mit der ausgetüftelten Tageslichtführung bis in die unteren Ebenen.

Auch die Darstellung der Arbeit vermag zu überzeugen, wobei insbesondere die Modelle in der Lage sind, die räumliche Organisation, Erschließung und die Tageslichtversorgung auf souveräne Weise zu vermitteln. Großes Kino!

2. Preis

Arbeit Nr. 15 
Titel: Boxpark  

Verfasser: Franz Kinzel, Susan Radisch

Betreuer: Prof. Harald Stricker, Claudia Lenz

Die Aufgabenstellung beinhaltet die Bebauung eines Gründstücks im inneren Stadtkern von München, welches durch Abriss eines bestehenden Parkhauses frei wird. Dabei hatten die Teilnehmer auch die Aufgabe, einen großstadttypischen Nutzungsmix aus Verkaufsflächen sowie Büro- und Wohnnutzung zu definieren.

Die Verfasser platzieren 3 sich überschneidende Kubaturen, die sich im Volumen sehr passend in die Umgebungsstruktur einfügen und von einer ebenso abstrakten wie differenzierten Fassade in den Obergeschossen umschlossen werden. Aufgrund der sehr gründlichen Analyse der innerstädtischen Wegebeziehungen und der Charakteristik der Straßen- und Platzräumen wird das Gebäude trotz sei-ner abstrakten Gestaltung überzeugend mit dem Umfeld verwoben.

Auch die Platzflächen sind subtil gestaltet und flexibel nutzbar, wobei die Darstellung der Oberflä-chenstrukturen im Modell etwas zu dominant dargestellt ist. Das Erdgeschoss ist durch eine zurück-gesetzte Glasfassade ausgebildet und ermöglicht den Zutritt in das Gebäude aus allen sich ergeben-den Richtungen. Die schräg verlaufende Unterkante der Obergeschossfassade bleibt dabei aber fragwürdig und vermag letztlich nicht zu überzeugen. 

Bemerkenswert ist aber die Beschäftigung mit modernen Verkaufskonzepten und die Weiterentwick-lung der Thematik von Passage und Mall sowie die ebenso intensive Bearbeitung zeitgemäßer Bü-rostrukturen.

Der Entwurf überzeugt durch seine bemerkenswerte Bearbeitungstiefe und vor allem auch durch sei-ne souveräne Präsentation im Plan und im Modell. 

Anerkennung

Arbeit Nr. 02 
Titel: The cloud  

Verfasser: Hanna Sturm

Betreuer: Prof. Dorothea Becker

Diese kleine Übung im Modul Innenraumgestaltung im 1. Semester thematisiert die Konzeption für einen Verkaufsraum in einem vorgegeben, außergewöhnlich geschnittenen Volumen. Präsentiert wer-den soll ausschließlich das Eiermann Tischgestell. 

Die Verfasserin findet dafür eine ebenso reduzierte, pointierte und poetische Lösung, die nicht den Tisch in den Mittelpunkt stellt, sondern die darauf entstandenen und entstehenden geistigen Leistun-gen. Diese werden als Sammlung beschriebener Blätter an Spannseilen im Luftraum aufgehängt, da-mit räumlich inszeniert und ständig weiter verdichtet zu einer Wolke aus Papier, die sich selbstbe-wusst und subtil in ein Spannungsverhältnis mit der digitalen Cloud begibt.

Die Arbeit stellt eine für den Studienbeginn außergewöhnlich intellektuelle Lösung dar, die auch durch die Form der Präsentation beeindrucken konnte.

Anerkennung

Arbeit Nr. 04 
Titel: Wohn- und Geschäftshaus in München 

Verfasser: Claudia Winkler, Marina Jostina

Betreuer: Prof. Matthias Grunwald

Dieser Entwurf wurde im 3. Semester des Masterstudiengangs bearbeitet. Er beinhaltet die Überbau-ung eines innerstädtischen Grundstücks im Stadtkern von München mit einem großstadttypischen Mix aus Gewerbe- Büro- und Wohnnutzung.  

Der Entwurf entwickelt eine hohe Dichte, die sich durch gestaffelte Baukörperhöhen und eine trotz stingenter Rasterung lebhaft ausformulierten Fassadenstruktur verträglich in das Umfeld einfügt. Oh-ne inhaltliche Experimente oder Innovationen formuliert er den Mainstream auf hohem Niveau und überzeugt durch die stimmige Konzeption, die detaillierte Durcharbeitung und durch seinen professio-nellen Auftritt.

Anerkennung

Arbeit Nr. 13 
Titel: Fractal City  

Verfasser: Georg Fischer

Betreuer: Prof. Harald Stricker

Die sehr programmatische Aufgabenstellung thematisiert die Nutzbarmachung unwirtlicher oder un-nutzbarer Räume, im konkreten Fall ein Autobahnkreuz. 

Der Verfasser knüpft daher an die visionären Entwurfskonzepte aus den 60er und 70er Jahren an, wo an der AA in London bereits über neue ‚megastruktures’, oder ‚walking cities’  nachgedacht wurde. Darauf aufbauend entwickelt er auf einem funktionalen Sockel eine floral anmutende Baustruktur aus 5 Gebäudetürmen, die sich organisch um eine offene Mitte gruppieren. Der Entwurf ist trotz seiner abstrahierten Aufgabenstellung erstaunlich konkret entwickelt und zeigt eine reale Möglichkeit an ei-nem realen Ort.

Auch wenn in der Jury kontrovers diskutiert wurde, ob die dargestellte Lösung weiterführende Ansät-ze für innovative Baustrukturen liefern kann, wird der eigenständige Umgang mit der abstrakten The-matik ausdrücklich anerkannt.

Anerkennung

Arbeit Nr. 19 
Titel: Wohn- und Geschäftshaus Sattlerhof 

Verfasser: Lydia Gockel, Nadine Stricker

Betreuer: Prof. Matthias Grunwald

Dieser Entwurf wurde im 3. Semester des Masterstudiengangs bearbeitet. Er beinhaltet die Überbau-ung eines innerstädtischen Grundstücks im Stadtkern von München mit einem großstadttypischen Mix aus Gewerbe- Büro- und Wohnnutzung.  

Der Entwurf gliedert sich in zwei Einzelbaukörper, wobei der eine an die vorhandene Nachbarbebau-ung direkt anschließt und der andere als eigenständiger Block im Stadtraum platziert wird. 

Beide sind mit dem selben Nutzungsmix organisiert und durch die gleiche Fassade bekleidet. Wäh-rend dies bei dem freistehenden Baukörper zu einem realisierbaren Stadtbaustein führt, wirkt der An-bauteil etwas schematisch und geht wenig auf die Nachbarschaft ein. Die Qualität der Arbeit liegt daher eher in der Organisation, Gliederung und Gestaltung des Einzelgebäudes, sowie in der insge-samt überzeugenden Bearbeitungstiefe.

Das Preisgericht endet um 19: 30 h.

aufgestellt:

Prof. Christian Knoche
Vorsitzender des Preisgerichts

Wettbewerbsbeiträge